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Die Drivechain könnte Bitcoin extrem helfen

 

 

Mit besonderen Sidechains, so genannten Drivechains, könnte es mit Bitcoin bald signifikant weiter gehen.

Die Idee von Sidechains ist mit Startups wie Blockstream, Rootstock und Lisk verbunden. Mithilfe von Blockstreams Ideen möchte man es einfacher machen, neue Features für Bitcoin zu testen – etwas, was im Rahmen des Konsens nicht einfach ist.

Simpel ausgedrückt kann man mithilfe Sidechains quasi Bitcoins zwischen verschiedenen Bitcoin-basierten Blockchains hin- und herschieben. (Technisch gesehen kann man Bitcoins an eine Adresse, die über Skripts mit einer Sidechain verbunden ist, transferieren und damit Kontrolle über Tokens auf diese Sidechain erlangen) Damit ist es dann möglich, das Bitcoin Ökosystem um neue Funktionen wie Smart Contracts oder eine erhöhte Privatsphäre zu erweitern, ohne dass man die Blockchain selbst ändern muss.

Sergio Demian Lerner berät die Bitcoin Foundation im Sicherheitsfragen. Er setzt sich stark für die Integration von Sidechains in das Bitcoin Ökosystem ein und meint, dass diese für Entwickler die Weiterentwicklung von Bitcoin erleichtern würde. Etwas überspitzt meinte er:

“Bitcoin verbessern kann man mit einer Flugzeugreparatur während des Fluges vergleichen.”

Neben Lerners team gibt es eine andere Gruppe, die an Proposals arbeitet. Diese Proposals könnten dafür sorgen, dass Sidechains es in die offizielle Codebase von Bitcoin schaffen.
Im September hat Lerner ein Proposal veröffentlicht, dass Bitcoin um diese Funktionalität erweitern würde. Paul Sztorc von Bloq sagte, dass er unabhängig davon an ähnlichen Projekten arbeite.

Gemeinsam haben beide Projekte, dass es sich dabei um so genannte “Drivechains” handelt, eine Erweiterung des Sidechain-Konzepts, dass die dezentrale Rolle der Miner nutzen will, um double spends und ähnliches zu verhindern – doch dazu später mehr. Als Drivechains kommen beide Proposals mit einem Satz an neuen Opcodes. Diese können optional über eine Soft fork der Bitcoin Funktionalität hinzugefügt werden.

Zum Verständnis: Eine Soft Fork ist ein Update, dass nicht die Blockchain, sondern nur die die Blockchain verwaltende Software der Nodes ändert. Derartige Updates müssen nicht von allen Nodes durchgeführt werden.

Beide Projekte unterscheiden sich in den Lösungen, wie man diese neuen Opcodes implementieren will – weshalb man auch bisher nicht plant, sich für dieses Projekt zusammen zu schließen.

Zwei Wege zur Drivechain

Wie weiter oben gesagt, werden im Sidechain-Konzept Coins von der Bitcoin-Blockchain auf die Sidechain “verschoben”, indem man die entsprechenden Bitcoins auf der Main Chain (d.h. der Bitcoin Blockchain) sperrt und auf der Sidechain welche simultan entsperrt.

Das Drivechain-Konzept unterscheidet sich hierbei, indem der Stakeholder, die die Information zum Transfer des Coinbesitzes zwischen diesen beiden Chains kontrolliert, unterschiedlich ist: Im Fall der regulären Sidechain ist es der Nutzer, im Fall der Drivechain der Miner.

In Lerners Version der Drivechain sind die Miner algorithmische Verwalter, die letztlich den Überblick über die Verbindungen zwischen der Main Chain und der Drivechain behalten.

“Bitcoin Miner beobachten den Zustand der Drivechain. Wenn sie einen Befehl von dieser erhalten, der genügend oft bestätigt wurde, führen sie ein Protokoll aus, dass garantiert, dass alle Miner der Authentizität des Kommandos zustimmen. Wenn sie alle zustimmen werden sie eine Transaktion mit den gesperrten Funds durchführen.”

Lerners Proposal möchte die Programmiersprache Bitcoins Script über den Opcode OP_COUND_ACKS erweitern. Damit soll die genannte Drivechain-Funktionalität in Bitcoin integriert werden.

Lerner betonte, dass Segregated Witness bei der Umsetzung seiner Vision helfen könnte. Segregated Witness oder kurz SegWit wurde in diesem Monat offiziell zum Code von Bitcoin hinzu gefügt und soll von Minern im Dezember ausgeführt werden. Auch wenn man SegWit primär mit dem klassischen Skalierungsproblem in Verbindung bringt hat diese Innovation noch andere Vorteile.

“SegWit ermöglicht relativ einfache Soft Forks über das so genannte Versionierungssystem von Script (bzw dem Part von Script, der mit SegWit in Verbindung steht). Unser BIP (Bitcoin Improvement Proposal) nutzt dieses System, um schnell und effizient einen neuen Opcode einzuführen.”

Unterschiedliche Ansätze

Sztorc arbeitet an etwas ähnlichem, was jedoch noch nicht veröffentlicht wurde.
Auch wenn Sztorc und Lerner in der Vergangenheit miteinander fruchtbare Diskussionen hatten und auch zusammenarbeiteten sind beide von ihren eigenen Projekten derart überzeugt, dass sie diese allein angehen wollen.

Mehr zum Thema:  Bitcoin – Blocksize Debatte, die tausendste

Sztorcs Hauptkritik an Lerners Ansatz ist, dass hier die Rootstock-Sidechain genutzt wird. Diese hat zum Ziel, Ethereum-ähnliche Smart Contracts in die Bitcoinwelt zu bringen. Sztork denkt bei seinen Drivechains eher an Blockchains, die Bitcoin sehr ähnlich sind.

“Drivechain ist eine brandneue Idee. Neue Ideen haben ein hohes Risiko – sie können scheitern. In der Hinsicht finde ich es nicht praktikabel, bei einem derart wichtigen Schritt auf Neuland zu viel neues auf einmal zu wollen.”

Es gibt weitere Unterschiede, doch dabei handelt es sich eher um Nuancen. Um das zu illustrieren nutzt Sztorc das Bild eines Hammers: Als irgendwann in der Steinzeit jemand den Hammer erfunden hat gab es sicherlich auch andere, die an der Idee Hammer forschten und sich fragten, aus was für einer Art Stein er sein sollte.

Falls eines dieser Proposals akzeptiert wird könnte es seinen offziellen Weg ins Bitcoin Ökosystem in der Form einer Soft Fork gehen.

Mögliche Gefahren

Hier reden wir, wie weiter oben gesagt, von einem Update, dass man mit einer Flugzeugreparatur während eines Fluges vergleichen kann.

Sidechains können bei diesem Problem zwar helfen, aber dazu müssen sie erstmal als Funktionalität in Bitcoin integriert werden. Dazu muss das Proposal dieselben Hürden überwinden, die eine Erweiterung wie SegWit hinter sich hat.

Der Hauptentwickler von Blockstream Russell O’Connor hat mögliche Probleme mit Lerners vorgeschlagenen Opcode beschrieben. Zusammengefasst hängt jeder Opcode von Datenwerten ab, die spezifisch für den Block sind, den eine betrachtete Transaktion hinzugefügt wird.
Andere Opcodes, die jüngst zu Bitcoin Core hinzugefügt wurden, wurden sehr achtsam mit dem Ziel entwickelt, diese Eigenschaft auf jeden Fall zu besitzen. Ob das auch bei Lerners Opcode der Fall ist, ist nicht zu sagen.

Außerdem ist die Diskussion über dieses Proposal anscheinend noch nicht abgesclossen. Bitcoin Core Entwickler Peter Todd lehnte es ab, über den Drivechain Opcode zu diskutieren. Grund hierfür waren frühere Bitcoin-bezogene Patente seitens Lerner. Peter Todd wird deshalb das Proposal so lange ablehnen, bis alles um diese Patente geklärt ist.

Lerner antwortete, dass er keine Pläne habe, die Drivechain zu patentieren. Außerdem seien andere Bitcoin Entwickler wie Matt Corallo oder Pieter Wiulle der Idee gegenüber offen.
Sztorc hat ebenfalls keine Intention, sein Proposal patentieren zu lassen.

Neben den genannten Kritikpunkten ist man gegenüber Sidechain Projekten immer skeptisch: Fragen hinsichtlich ihrer Sicherheit sind noch nicht endgültig geklärt und generell stellt sich die Frage, wie rentabel Sidechains tatsächlich sind.

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